Der Christbaumbrauch

Ein klassischer „steirischer“ Christbaumschmuck  besteht aus Wachskerzen, roten Äpfeln, vergoldeten Nüssen und Strohsternen (die an das Stroh in der Krippe erinnern sollen).

In manchen Gebieten, vor allem Richtung Weststeiermark, wurde der Christbaum früher nicht aufgestellt, sondern von der Decke verkehrt herab aufgehängt. Heute wird dies in einigen wenigen Bauernhäusern in der Region noch so praktiziert. In dieser Form kommt die Pracht des Baumes allerdings noch besser zur Geltung.

Neben der Krippe, die zu den Weihnachtsfeiertagen aufgestellt wird und die Geburtsszene Jesu zeigt, gehört auch die Christmette zum Weihnachtsbrauchtum. In der Nacht von 24. auf 25. Dezember  wird, relativ spät, eine Heilige Messe gefeiert. Familien und Nachbarn wandern gemeinsam zur Kirche, dieser Brauch ist für viele ein Ritual am Heiligen Abend.
Der Christtag selbst wird meist gemütlich im Kreise der Familie verbracht.

 

Der Christbaum bleibt über die Feiertage schön geschmückt, traditionell zu Maria-Lichtmess (2. Februar) wird er dann ab- und weggeräumt.  Heute passiert dies leider meistens schön früher. Einerseits verliert der Baum seine Nadeln, andererseits wird auch der oft süße Christbaumschmuck nach und nach weniger…
Man sollte den Baum aber nicht gleich ganz entsorgen!
Aus der Spitze lässt sich hervorragend ein Holzquirl machen, dazu wird einfach der oberste Astkranz abgeschnitten, zusammengestutzt und dann von der Rinde befreit. Schon die Großeltern wussten ihn zu schätzen, und in Zeiten des Upcyclings und Reusings auf jeden Fall ein aktuelles Thema.

Frauentragen

Dieser Brauch ist auch als Herbergssuche bekannt und entstand im 16. Jahrhundert. Dabei wird in der Adventzeit ein Marienbild oder eine Marienstatue allabendlich von einer Familie zur nächsten getragen und „Herberge“ erbeten, am Heiligen Abend kehrt das Abbild wieder in die Kirche der Pfarrgemeinde zurück. Während die herbergsgebenden Familien früher oft Andachten ausgerichtet haben, werden heutzutage eher Spenden für wohltätige Zwecke gesammelt. Gern auch von Jugendlichen, die als Maria und Josef verkleidet umherziehen. Auch sind die Herbergen nicht mehr nur auf Privathäuser beschränkt, auch in Kindergärten oder Schulen macht Maria mittlerweile Station.

Anklöpfeln

Anklöpfeln war bereits im 15. Jahrhundert in der Steiermark verbreitet, schon damals waren die Ausprägungen regional sehr unterschiedlich. Grundsätzlich geht meist eine Gruppe verkleideter Männer von Haus zu Haus, um Lieder vorzutragen. Die drei Donnerstage vor Weihnachten waren als Klöpfelnächte bekannt. „Anklöpfeln ist ein Brauch, der sich im Lauf der Zeit extrem gewandelt hat“, erklärt Nora Witzmann. „Waren es früher vor allem arme Leute und Kinder, die um Almosen baten, ist dieser Brauch nun weitgehend institutionalisiert.“ Klöpfelgruppen sammeln Spenden, die an karitative Organisationen weitergegeben werden.

Fasten am Heiligen Abend

Ursprünglich war die gesamte Adventzeit eine strenge Fastenzeit, erst 1917 wurde das Fastengebot endgültig aufgehoben. Zuvor waren ausschweifende Vergnügungen wie Mahlzeiten verboten und auch Feiern und Geselligkeiten nicht erlaubt. Ausdrücklich gestattet war der Genuss von Bier und Kakao. „Von der strengen Fastenzeit ist nur der 24. Dezember übriggeblieben“, so Witzmann. Vermehrt wird der 24. auch heutzutage wieder als Fasttag begangen. Vielleicht auch, weil man dem Magen nach den Weihnachtsfeiern vor den Familienessen eine Verschnaufpause gönnen muss.

Rachn gehen (Räuchern)

Die Tradition des „Rachngehens“ galt als ein Ritual der Reinigung und wurde in den drei Rauhnächten Heiligabend, Silvester sowie am Vorabend des Dreikönigstags durchgeführt. Heiße Glut wurde zusammen mit Wacholder und Weihrauch in das „Rauchpfandl“ gefüllt und dann jeder Raum des Hauses ausgeräuchert. Dazu wurde der Rosenkranz gebetet. „Rachn gehen“ ist laut Nora Witzmann nie ganz in Vergessenheit geraten, erlebt aktuell aber so etwas wie eine Wiedergeburt. „Das Interesse geht so weit, dass auch zahlreiche Kurse zu diesem Thema österreichweit angeboten werden.“

Frisch-und-gsund-Schlagen

Ursprünglich in der Südsteiermark weit verbreitet, ist der Brauch mittlerweile in ganz Österreich bekannt. Am Tag der unschuldigen Kinder, dem 28. Dezember, wird der in Bethlehem neu geborenen und am Tag nach Jesu Geburt ermordeten Kinder gedacht. Kinder dürfen Erwachsene mit geflochtenen Weidenruten schlagen. Nicht als Strafe, sondern um Lebenskraft und Glück für das kommende Jahr zu übertragen. Dabei werden unterschiedliche Sprüche aufgesagt. Auch dieser Brauch wird mittlerweile häufig dazu verwendet, um Spenden für karitative Zwecke zu sammeln.

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